💡 Hinweis: Der folgende Artikel spiegelt die persönlichen Ansichten des Grünen Stadtrats Martin Thoma wider.
In den letzten Tagen musste ich online mit einigen Mythen über die Ansichten der Grünen zu Klimaanlagen aufräumen:
Wir Grünen sind FÜR Klimaanlagen.
Wir sind eine Partei mit knapp 184.000 Mitgliedern und entsprechend gibt es sehr viele Ansichten. Was viele von uns eint, ist der Wunsch, auf unsere natürlichen Ressourcen zu achten, um unsere Lebensgrundlagen zu schützen.
Nun kennt sicherlich jeder Deutsche die Ansicht, dass Klimaanlagen schlecht für die Umwelt seien und ist eventuell über die positive Haltung der Grünen zu Klimaanlagen erstaunt. Hier sind die Gründe für diese Position:
№ 1: Klimaanlagen retten Leben

Die aktuelle Hitze führt zu Toten (1, 2, 3, 4). Und dabei denke ich nicht nur an Alten- und Pflegeheime sowie Krankenhäuser. Ich denke dabei auch an Kleinkinder. An die Mieter in Dachgeschosswohnungen. An Leute, die komplett geschlaucht im Auto auf dem Weg zur Arbeit einen Unfall bauen.
Uns Grünen sind unsere Mitmenschen wichtig. Wer es sich leisten kann und aktuell mit der Hitze zu kämpfen hat, der sollte eine Klimaanlage einbauen.
№ 2: Klimaanlagen sind gut fürs Klima (beim Heizen)

Ich habe meine Klimaanlage, eine Daikin Cold Region, eingebaut, um etwas unabhängiger von meiner damals noch vorhandenen Ölheizung zu sein. Ich habe sie bewusst ins Erdgeschoss einbauen lassen, weil es mir primär ums Heizen ging.
In den Übergangsmonaten ist das super. Man pumpt mit einer kWh Strom etwa fünf kWh Wärme ins Haus (SCOP=5), denn sie sind Luft-Luft-Wärmepumpen.
Das war für mich der erste Schritt, um mich davon zu überzeugen, die Ölheizung durch eine Luft-Wasser-Wärmepumpe zu ersetzen. Man hat nicht sofort eine riesige Anschaffung, einen Mehrwert im Sommer, und kann im Zweifel das gewohnte System weiter nutzen.
Fun Fact: Eine Gefriertruhe ist übrigens auch eine Wärmepumpe – sie pumpt das kleine bisschen Wärme aus dem Inneren der Gefriertruhe nach außen in die Wohnung. Im Winter machen wir es zum Heizen mit der Wärmepumpe so ähnlich: Wir entziehen der Außenluft die Wärme und bringen sie nach innen.
№ 3: Klimaanlagen können Klimaneutral kühlen – mit PV

Wenn man kühlen muss, dann scheint die Sonne meist. Dann hat man PV Strom im Überfluss. Natürlich werden manche Leute auch abends/nachts mit der Klimaanlage kühlen wollen. Da brauchen wir dann Batteriespeicher.
Wichtiger noch: An AC a day makes the fossil fuels go away 😉
Klimaanlagen (Air Conditioning, AC) sind Luft-Luft-Wärmepumpen. In Deutschland sind aktuell Luft-Wasser-Wärmepumpen beliebter, weil wir an unsere Heizkörper gewöhnt sind. Aber es spricht nichts dagegen das ganze Haus mit Klimaanlagen zu heizen (und im Sommer zu kühlen) und das Warmwasser mit einer Brauchwasser-Wärmepumpe zu erzeugen. Wer mehr wissen will, sollte sich das Video des Akku-Doktors anschauen.
So kann man Stück für Stück die alte Ölheizung immer überflüssiger machen. Man muss keine funktionierende Heizung entfernen, sondern kann sich langsam an ein neues System herantasten.
№ 4: Klimaanlagen stärken die deutsche Wirtschaft

Klimaanlagen sind große Anschaffungen. Wir reden von 500€ – 2500€ für das Gerät und dann nochmals etwa 500€ – 700€ für den Einbau. Insbesondere das Geld für den Einbau kommt in Deutschland ins Umfeld. Auch der PV- und Wind-Strom wird in Deutschland erzeugt – im Gegensatz zum Öl und Gas, das aus dem Ausland gekauft wird. Alleine für Erdgas/LNG haben wir 2025 knapp 25 Milliarden Euro ins Ausland gezahlt. Das sind 25 Milliarden, die mit Erneuerbaren in Deutschland geblieben wären.
Was bedeutet das für Plattling?
Jeder Stadtrat setzt sich für die Stadt ein. Die Ziele sind in vielen Fällen die gleichen, aber wegen eines überschaubaren Budgets muss man sich genau überlegen, was einem wichtig ist. Wir müssen also prüfen, ob das Kosten-Nutzen-Verhältnis für eine Klimatisierung gut ist.
Plattling kann nur die eigenen Gebäude klimatisieren – und selbst da wird das Geld nicht für alle genügen.
Um welche Gebäude geht es potentiell?
- Kindergärten: Eher nicht, da die Kinder einfach raus gehen und im Schatten bzw. mit Wasser spielen können. Bei 36°C genügt Schatten alleine aber eigentlich nicht mehr.
- Grundschule: ähnlich wie beim Kindergarten; natürlich ist die Situation deutlich schwerer weil es mehr Kinder sind und man ggf. gar nicht genug Platz im Schatten hat.
- Mittelschule: muss geprüft werden
- Gebäude der Stadtwerke: muss geprüft werden
- Feuerwehren: muss geprüft werden
Was kein Thema des Stadtrats ist:
- Realschule: die Verantwortung liegt beim Landratsamt
- Altenheime/Pflegeheime/Arztpraxen: Obwohl es sicherlich sinnvoll wäre, liegt die Verantwortung hier bei den privaten Betreibern
Falls jemandem dazu noch mehr einfällt: Gerne hier als Kommentar oder direkt per E-Mail an mich ( info@martin-thoma.de )
Gab’s einen Sinneswandel bei den Grünen?
1992 haben sich die Grünen für ein Verbot von FCKW-haltigen Klimaanlagen stark gemacht. Dabei ging es ums Ozonloch. Die damaligen Klimaanlagen waren außerdem ineffizient und konnten nicht zum Heizen verwendet werden.
Die Technik hat sich verbessert und das Klima leider merklich erhitzt. Daher hat sich der Hauptkritikpunkt der Grünen aufgelöst und die Bewertungsgrundlage geändert.
Wir machen uns immer noch für einen verantwortungsvollen Umgang mit unserem Ressourcen stark, aber wir sehen auch den Bedarf nach Klimawandel-Anpassungen.
Dass die Forderung nach Klimaanlagen für die Grünen wichtig ist, sieht man an folgenden Artikeln:
- Bundes-Ebene: Grüne fordern Sofortprogramm für Klimaanlagen (Fraktionschefin Dröge)
- 2025: Braucht es mehr Klimaanlagen in öffentlichen Gebäuden? – „Die Grünen fordern ein umfassendes Hitzeschutzprogramm mit Klimaanlagen auch in öffentlichen Einrichtungen.“ in der Bayerischen Staatszeitung; Von Katharina Schulze, Vorsitzende der Fraktion der Grünen im Landtag
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